Dienstag, 19. Juni 2012

Aus. Vorbei. Fini. Ende.


[singt] Es ist vorbei, bye, bye, Blogger, es ist vorbei. Vorbei.


Das ist es also. Ein letztes Bild aus St. Pauli, welches treffender nicht sagen könnte, dass diese Straße nicht mehr befahren wird. Ein letzter Hinweis, dass Huchmampfs Welt zwar eingestellt, ich aber keineswegs aufgebe, sondern einfach nur umziehe. Um Hoheit über meine Daten zu bekommen. Um Dezentralität zu fördern. Um wirklich mein eigenes Blog zu haben.

Wer mir weiter gewogen bleiben möchte, der möge diesen Blog aus seinen RSS-Feed nehmen und dafür den Feed von stonedgolem.de einfügen. Selbiges gilt für die Personen, die sich fragen, was ich unter einem "DatenschutzDeal" verstehe. Wer mir sowieso nur über G+ folgt muss nicht einmal etwas ändern, weil ich weiterhin neue Artikel auf G+ posten werde.

Ich hoffe, ich konnte euch hier ein wenig erfreuen und entschwinde in die Weiten meines eigenen Reiches.

Happy Texting.

Freitag, 15. Juni 2012

Wegen die Sache mit die BILD...

Es gibt Neuigkeiten "wegen die Sache mit die BILD", die am 23.6. ungefragt in meinen Briefkasten* flattern soll/sollte. Der aktuelle Stand ist wohl, dass der Springer-Verlag die Aktion wie angekündigt durchziehen wird. Vertriebspartner soll wohl die Deutsche Post werde, was nichts anderes bedeutet, als dass die armen BriefzustellerInnen den ganzen Tag plakern und leiden müssen. Von den Mehreinnahmen, die die Post dank der Aktion erwarten darf, werden sie wohl nichts abbekommen... aber das hat ja auch niemand erwartet, dass die, die an diesem Tag wirkliche Arbeit leisten, dafür auch entlohnt werden.

Die über 200.000 Absagen, die die Aktion von Campact bisher zusammengetragen hat, sind für Springer aber kein Problem. An jeden Briefkasten, der keine Bild erhalten soll, wird ein roter Umschlag versendet, der anstelle der BILD zugestellt werden soll. Inhalt des Umschlags: Geheim. [Quelle: Campact-Blog]

Aus diesem Post lassen sich drei Dingen ableiten.
  1. Ich versteh' die Sache mit dem neuen Leistungsschutzrecht langsam, welches sich hoffentlich noch verhindern lässt, und paraphrasiere nur noch mit direkter Verlinkung. Ob das was hilft, wenn der Titel des journalistischen Erzeugnisses in der URL selbst enthalten ist, darüber werde ich mich später mal auslassen.
  2.  Ich sollte schnell noch Springer widersprechen, dass sie mir überhaupt irgendwas zustellen. Oder gilt hier der "Keine Werbung einfwerfen" Sticker auf meinem Briefkasten?
  3. Wer auf Wundertüten und Geheimisse steht, sollte jetzt noch schnell der Zustellung der BILD widersprechen und sich an der Spannung erfreuen. Sind immerhin noch 10 Tage der Vorfreude, die bleiben.
  Was den Inhalt des Umschlages angeht, tippe ich auf Anthrax. Bleibt also bei bester Gesundheit.

* Ein netter Mensch hat mich auf einen Tippfehler hingewiesen. Ursprünglich stand an dieser Stelle "Bierkasten", was ein so schöner Freudscher Verschreiber ist, dass ich den Text zwar berichtigt habe, dafür aber den Hinweis auf den Fehler an dieser Stelle setze. Prost!

Donnerstag, 14. Juni 2012

Was haben Pandas, Zensur und Barbara Steisand gemeinsam?

Wie wäre es mit der Gemeinsamkeit, dass sie in der Überschrift zu diesem Blogeintrag stehen? Das reicht euch nicht? Tja, dann muss ich wohl leider ausholen.


Punkt 1: Der Panda


Schon vor einiger Zeit flatterte bei mir der erste Bericht über das "Schwarzbuch WWF. Dunkle Geschäfte im Zeichen des Pandas" herein. Geschrieben wurde das Buch von Adolf-Grimme-Preisträger Wilfried Huismann, einem anerkannten Journalisten also; erscheinen ist es beim Gütersloher Verlagshaus, welches zu Bertelsmann gehört. Nach berichten der Frankfurter Rundschau versteht sich das Buch als eine Erweiterung zu einem kritischen Dokumentarfilm, der unlängst im WDR und im SWR lief.

Schon gegen den Dokumentarfilm ist der World Wildlife Fond for Nature, kurz WWF, vorgangenen; anfangs erfolglos, doch im April konnte eine Einstweilige Verfügung erwirkt werden. Der WWF begründet die rechtlichen Schritte damit, dass unwahre, rufschädigende Behauptungen sowohl im Film als auch im Buch verbreitet werden würden. Laut Berichten der Süddeutschen Zeitung wurden auch Buchhändler angeschrieben, um diese auf mögliche, rechtliche Konsequenzen hinzuweisen, falls über sie das Buch erhältlich sein sollte -- aus rein informativen Zwecken natürlich, nicht um sie zu bedrohen. Dies hatte zur Folge, dass das Buch im Endeffekt nur noch über den Verlag direkt erhältlich war. Dies ist also die Ausgangssituation und erklärt zumindest den Panda im Titel.


Punkt 2: Die Zensur


Es ist das gute Recht des WWF oder jeder anderen Person, ob juristisch oder natürlich, sich gegen falsche Behauptungen und übele Nachrede zur Wehr zu setzen. Insofern kann mensch dem WWF also keinen Vorwurf machen. Allerdings gibt es zwei Punkte, an denen sich streiten ließe, ob dies noch Gegenwehr oder schon Zensur ist.

Der erste Punkt betrifft die Verhältnismäßigkeit: Laut Süddeutscher haben die Anwälte von Bertelsmann noch nie eine derart starke Gegenwehr wie im Falle des WWFs erlebt. Sogar Scientology -- bei weitem keine Gurkentruppe von Traurigkeit, wenn sie eine Möglichkeit sehen einen Gegner anzugehen -- hätte auf kritische Bücher weit weniger drastisch reagiert!

Die Verhältnismäßigkeit umfasst auch die Frage, inwiefern die "Information" der Buchhändler gerechtfertigt war. Es liegt zwar eine Einstweilige Verfügung vor, aber die bietet nur vorläufigen Rechtsschutz; wird sie wie in diesem Fall missachtet, kommt die Angelegenheit zur Verhandlung. Ein Urteil wird erst Freitag erwartet -- und bis dahin ist es legitim und rechtens, das Buch zu verkaufen, denn noch immer gilt in diesem Land die Unschuldsvermutung! Das Anschreiben an die Händler als bloße "Information" darzustellen, ist schon eine für sich genommen eine gewaltige Dreistigkeit, aber dennoch eine, die ihr Ziel erreichte: Die Zensur.

Und hier kann mensch dem WWF wirklich einen Vorwurf machen. Durch die von Microsoft perfektionierte FUD-Taktik ist das Buch praktisch bei den großen Ketten und Internetbuchhändlern nicht mehr erhältlich. Besonders bemerkenswert tut sich dabei Amazon hervor: Das Versandhaus, das kein Problem mit fragwürdigen Büchern des politisch rechten Spektrums hatte, so lange diese nicht indiziert sind, schreibt laut Süddeutsche folgendes zum Buch:

"Dieser Artikel ist in Deutschland indiziert bzw. beschlagnahmt. Wir bieten generell keine indizierten bzw. beschlagnahmten Titel auf Amazon.de an." [Zitiert nach der Süddeutschen Zeitung. Siehe Link.]
Leider hat Amazon die Seite inzwischen ganz vom Netz genommen, sonst hätte ich einen Screenshot angefügt. Aber: Wenn das mal kein vorauseilender Gehorsam ist! Von wegen indiziert: Das eBuch ist, zumindest noch, legal erhältlich, unter anderem beim Verlag direkt oder im neuen eBook-Store von Google.

Dennoch: Diese Art des Vorgehens ist eindeutig Zensur. Mit Hilfe einer Machtstellung wird die Verbreitung einer Kritik verhindert. Der WWF zensiert. Anders kann ich es nicht mehr ausdrücken. Denn ansonsten hätten sie nicht die Händler unter Druck setzen müssen und die Gerichtsverhandlung abwarten können -- weil erst dann entscheidet sich, ob die Kritik am WWF berechtigt oder vielmehr an den Haaren herbeigezogen ist. Diese Entscheidung sollen aber bitte Unparteiische treffen. Danke.


Punkt 3: Der Streisand-Effekt


Der Streisand-Effekt, benannt nach der gleichnamigen Barbara, gehört zu meinen Lieblingseffekten im gesellschaftlichen Gefüge. Er lässt sich wie folgt zusammenfassen: Wenn du (als mehr oder minder prominente Persönlichkeit) versuchst, etwas zu verbieten, erzeugst du damit eine Öffentlichkeit, die das Verbot lautstark kritisiert und damit das, was du verbieten wolltest, noch bekannter macht.

Mal ehrlich, ohne den medialen Streit hätte ich wohl kaum etwas davon mitbekommen. Schwarzbücher erscheinen dieser Tage an allen Ecken und so ziemlich alles wurde schon kritisch durchleuchtet. Vielleicht hätte ich eine Rezension in einer der unzähligen Tageszeitungen gelesen -- aber mich ansonsten nicht weiter damit beschäftigt. Erst die heftige Reaktion des WWF macht mich auf den Inhalt neugierig. Und wie es scheint, geht das nicht nur mir so.

Laut Süddeutscher ist die erste Auflage, die 10000 Exemplare umfasste, inzwischen ausverkauft. Die Vorbestellungen für kommende Auflagen soll auch schon mehrere Tausende umfassen. Wie oben schon beschrieben ist derzeit nur das eBook erhältlich, welches 4 Euro billiger ist als die Druckvariante. Vereinzelt findet man das Buch sicherlich auch noch im gut sortierten Buchhandel, der nicht zu den großen Ketten gehört und unter dem Radar des WWF die Bücher verticken kann.

So, damit sind alle drei Punkte geklärt und ich geh mal schauen, ob der WWF schon gegen die Doku auf youtube vorgegangen oder ob diese noch verfügbar ist.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Dinosaurier im Vorgarten

Schon seid einiger Zeit stehen Dinosaurier vor dem Naturhistorischen Museum in Braunschweig. Heute habe ich mir mal die Zeit genommen sie abzulichten und mir überlegt, was sie sich gedacht haben könnten.


Introspektion: Als das Heute noch ein Morgen war...

Introspektion: Der Begriff bezeichnet in der Psychologie die Analyse des eigenen Verhaltens und Erlebens.

Introspektion: Der Begriff bezeichnet auf Huchmampfs Welt die Analyse des Verhaltens, Erlebens und der Wahrnehmung des Autoren, der daraus Fragen ableitet, diese versucht zu formulieren und seine Gedanken gerne mitteilen möchte. Es sind Momentaufnahme, flüchtige Gedanken, die hier protokoliert werden sollen, um sie vor dem Vergessen zu schützen. Aber sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sind gewissermaßen Work-in-Progress, und müssen auch nicht bis ins letzte Detail logisch sein. Sie dienen dem Anregen einer Diskussion und münden vielleicht irgendwann in fertige, ausformulierte, brauchbare Gedanken.

Wie unlängst geschrieben denke ich derzeit wieder viel über Science Fiction und damit auch über potentielle Zukünfte nach. Ein Aspekt, der mir schon länger dabei im Hirn rumgeistert, betrifft vergangene Zukunftsvorstellungen. Vorstellungen, die vielleicht nie eingetroffen sind, aber dennoch die Welt in ihrer Zeit bewegt haben. Ich denke an Bilder nie errichteter Metropolen, denen sofort an ihrer Darstellungsart ablesbar ist, welcher Zeit sie entstammen. Vor allem die Mitte des Jahrhunderts hat farbenprächtige Gemälde hervorgebracht, die ganze Generationen von Zukunftsvorstellungen geprägt haben und noch immer einen, wenn mensch so möchte, retromodernen Chic besitzen.

Diese Bilder und Vorstellungen versuchen einen Wandel einzufangen, dessen Anziehungskraft in seiner Exotik begründet liegt. Zumeist wird dieses Fremde mit der Verlockung einer besseren, humaneren Welt gepaart, die uns aus dem Elend unserer mit Plackereien geplagten Gegenwart befreit. Eine Fortschrittsgläubigkeit, die spätestens in den 1980ziger Jahren ihr Ende in den drecken Straßen des Cyberpunks fand, über dessen makabere Anziehungskraft ich vielleicht mal an anderer Stelle schwadroniere.

Auch wenn sich bei weitem nicht alle, sondern eher nur ausgesuchte Versprechungen des "Golden Age" der Science Fiction erfüllt haben, so steht Fiction an sicher ausnahmslos am Anfang aller Innovation. Beispielsweise wird in einer Star Trek Dokumentation behauptet, Motorola hätte das Mobiltelefon in Anlehnung an den Kommunikator entwickelt. Bedenkt mensch, dass insbesondere Motorola ausgesprochen lange an Klapphandys festgehalten hat und dass Kirk und Co. ihren Komm immer aufklappen müssten, weil das Mikrofon von einer goldenen Applikation geschützt wurde, dann springt die funktionale Ähnlichkeit ins Auge, sobald auf diese aufmerksam gemacht wurde.

Aber die Geschwindigkeit von Innovation ist langsam; langsamer zumindest als das plötzlicher Herausreißen aus der Gegenwart und die Neuorientierung in der fremden Ferne der Zeiten. Ein Transport, der uns durch Bild und/oder Vorstellungskraft ermöglicht wird. Dementsprechend überholt erscheinen uns gelegentlich innovative Erfindungen, wenn wir ihnen begegnen. Ein Beispiel hierfür könnte das Handy sein.

Früher fand ich mobile Geräte, auf denen sich jede beliebige Information abrufen ließ, als die Verheißung einer neuen Epoche der Informationsvermittlung. Ich war so fasziniert von dieser Idee, dass ich Jahre später in einer Folge Stargate SG-1 über ein ähnliches Gerät gestaunt habe, welches beliebige Informationen anzeigen konnte. Obwohl ich schon länger Handys gewohnt bin und obwohl ich seit Jahren Laptops nutze und obwohl ich einen eInk-Reader besitze war ich von diesen Geräten vollkommen fasziniert ohne ihre Existenz in meiner Gegenwart zu bemerken. Ich habe wohl meine Augen vor diesen technologischen Wundern ebenso verschlossen wie vor den Wundern der Natur, die uns so alltäglich erscheinen. Meine Blindheit war sogar vollkommen: Auch wenn ich diese Geräte nutze fühlte ich noch immer den romantischen Wunsch nach diesen Geräten. Ein Widerspruch, der nach einer Erklärung verlangt.

Ob ich sie geben kann, weiß ich nicht. Aber ich habe eine Vermutung: Der Wunsch nach freien und uneingeschränkt verfügbaren Informationen schien sich bei mir in diesen Geräten zu projizieren, obwohl sie gar nicht das eigentliche Ziel meines Wunsches sind. Diese Projektion also ist derart mit dem Wunsch, dem sie entspringt verbunden, dass eine Realisation des Gerätes ohne verbundene Realisation des Wunsche mich das Gerät nicht als das erkennen ließ, was ich mir ursprünglich wünschte.

Auf diese komplizierte Art ist es möglich geworden, dass sich einer meiner Zukunftswünsche ohne mein Bemerken erfüllte. Als mir dies dann aufgefallen ist, war ich erstmal ziemlich durcheinander. Und diese Verwirrung hält noch immer an, wie man diesem holprigen Erklärungsversuch vielleicht anmerkt, weswegen ich mich auch aufmachte, diesen Post zu schreiben. Und folgende Frage zu formulieren: Hat jemand da draußen, in den unendlichen Weiten des Netzes, ähnliche Erfahrungen gesammelt? Oder bin ich einfach nur blind?

Hyperion und das Fieber der fernen Zukunft...

Die letzten Tage über beherrscht wieder die Science Fiction mein Leben. Nicht, dass dieser Themenkomplex jemals ganz verschwunden wäre, aber nach A Song of Ice and Fire und Spartacus: Blood and Sand verlor sich die imaginierte Zukunft irgendwie im Sand der fiktionalen Vergangenheit. Aber jetzt ist das Morgen wieder da, mit all seinen Wundern, Irrwegen, Abenteuern, Warnungen und Gefahren.

Auslöser war ein Besuch bei Andere Welten in Hamburg, ein Laden, den ich nur als Nerd- bzw. Science Fiction Paradies beschreiben kann. Nachdem ich zuletzt durch keine Buchhandlung gehen konnte ohne über die dortige klägliche Auswahl an SF-Literatur zu meckern war es ausgesprochen nervenschonend vor ungezählten Regalmetern zu stehen, die -- von ein bissel Fantasy mal abgesehen -- nichts anderes boten als gesammelte Zukunftsvorstellungen. Alles, was ich mir in den letzten Jahren mal flüchtig zur Anschaffung überlegt hatte, war dort wirklich vorrätig; und plötzlich hatte ich die Qual der Wahl! Etwas von Andres Brandhorst, den ich mir schon länger mal zu Gemüte führen wollte? Oder vielleicht doch Hamiltons Void-Mehrteiler? Der neue von Eschbach soll ja auch nicht schlecht sein, aber muss ich den wirklich in diesem Laden kaufen, wo mensch doch besagten Bestseller wirklich in jedem verdammten Buchladen findet?

Im Endeffekt entschied ich mich für etwas, das ich zumindest einmal in einem ordinären Buchladen gesehen, damals aber nicht gekauft hatte: Dan Simmons Hyperion-Gesänge. Die Wahl bot darüber hinaus auch noch eine schöne Geschichte, die ich hier unbedingt erzählen muss.

Während ich also noch überlegend vor dem Regal stand und mich zu entscheiden versuchte -- angedacht war Brandthorst --, viel mein Blick auf die Hyperion-Gesänge und ich musste das Buch einfach mal wieder in die Hand nehmen. Es ist ein erstaunliches Druckerzeugnis; und ich spiele jetzt nicht auf den Inhalt, sondern vielmehr auf das physikalische Totbaumwerk selbst an! Obwohl es nur die Ausmaße eines durchschnittlichen Taschenbuches hat umfasst es um die 1400 Seiten. Gedruckt auf etwas, das an Bibelpapier erinnert, welches aber wirklich stabil und nicht durchscheinend ist. Das Resultat dieser Papierwahl: Das Buch ist schwer. Unerwartet schwer, was an der ungewöhnlichen Dichte des dünnen, aber stabilen Papiers liegt. Und jetzt das entsprechende Wortspiel dazu: Der Dichter Simmons hat das Buch halt dichter gemacht. Einmal auf die Schenkel klopfen bitte und dann lasst uns diesen unsäglichen Witz vergessen.

Ich steh also da, die Gesänge in der Hand, und überlege noch, als der Verkäufer auf mich zu kommt, auf das Buch blickt und meint: "Herrlich. Ein großartiges Buch. Du hast es doch gelesen."

Ich, kleinlaut: "Ähm... nein. Irgendwie bin ich bisher nicht dazu gekommen."

Er, forsch: "Na, dann, also! Du schaust doch kein Fußball, also nimm dir das Buch und bis Montag hast du's durch. Das liest sich am Stück!"

Ich fand dies so lustig, dass ich Hyperion schließlich gekauft habe. Zwar hatte der Verkäufer mit dem Fußball Recht, nicht aber mit der Lesedauer: Ich bin erst auf Seite 300 und versuche, erst meine Arbeit zu erledigen bevor ich mich wieder nach Hyperion begebe... wo es mich derzeit beinahe magisch hinzieht. Binnen weniger Seiten hat dieses Buch meine Liebe für Science Fiction, die in letzter Zeit ein wenig eingerostet ist, wieder voll entflammt. Wunderbare Bilder, gezeichnet mit wundervoller Sprache, getränkt mit funkensprühender Phantasie an allen Ecken und Ende und belebt mit interessanten Charakteren, deren Lebensgeschichte die erste Hälfte der Hyperion-Gesänge umfassen. Ich bin hellauf begeistert und sende auf diesem Weg mein Dank nach Hamburg für diese Empfehlung. Verbunden mit der Bitte, dass der Nachfolgeband, Endymon, bitte nächsten Monat im Regal von Andere Welten auf mich warten möge.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Zurück zur Ständegesellschaft

Es gibt sie: Ideen, von denen ich mir wünschte, sie wären nie gedacht wurden. Diese ist eine davon. Wirklich alle Medien waren sich heute morgen einig und haben eine Nachricht verbreitet, die ursprünglich von NDR Info stammt: Die Schufa will Daten im Internet, vor allem in sozialen Netzwerken, sammeln und diese mit ihrer Kartei abgleichen! Damit der Aufschrei nicht soooo groß wird erforscht sie diese Datenverknüpfung im Tarnmantel der Wissenschaft und sucht dafür die Kooperation mit dem Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam. Wir wissen ja: Wissen ist gut, Wissenschaft erzeugt Wissen, also ist auch Wissenschaft gut.

Dass diese Milchmädchenrechnung nicht aufgeht erkannte einst schon Robert Oppenheimer, aber wieso sollte der Menschen an sich aus Fehlern lernen? Wenigstens nehmen unsere Medien ihre journalistische Pflicht ausnahmsweise Mal Ernst und machen zumindest die Pläne öffentlich bekannt -- auch wenn sie sich scheuen, die entsprechenden Schlüsse zu ziehen.

Auf dem Seiten des NDR gibt es eine sehr schöne Aufstellung, in welchen Bereichen alles geforscht werden soll, die ich an dieser Stelle nicht wiedergeben möchte. Zum weiteren Verständnis kann aber ein Blick auf diese Website nicht schaden. Zusammengefasst kann man sagen: Die Schufa lässt den gläsernen Bürger erforschen und geht damit einen Schritt, den wir reflexartig eher von der Bundesregierung, Facebook, Google oder Apple erwartet hätten. Und im Gegensatz zur Bundesregierung braucht sie dafür keinen Bundestrojaner, im Vergleich zu Apple muss sie keine Geräte an die ausspionierten Kunden geben und anstatt Facebook und Google muss sie keinen, aber auch wirklich keinen verdammten Service bereitstellen, damit die Nutzer freiwillig die zur Nutzung vorgesehenen Daten hergeben. Der Clou ist simple wie genial: Es sollen lediglich die vorhandenen Daten auf den sozialen Netzwerken ausgelesen werden. Yippie!

Für den Fall, dass Nutzer ihren Klarnamen gegen ein legitimes Pseudonym austauschen, sollen Honeypot-Accounts angelegt werden. Accounts also, die interessant erscheinen und zum Befreunden oder Einkreisen einladen sollen. Cool. Mensch müsste mal nachlesen, ob sowas nicht gegen irgendwelche Nutzungsbedingungen verstößt. Aber das wird dann eine andere Schlacht. Auf jeden Fall soll dieses Vorgehen auch dafür sogen, dass Informationen aus den nicht-öffentlichen Teilen der sozialen Netzwerke gezogen werden können, womit die Möglichkeit der begrenzten Mitteilung an Interessierte zur privaten Kommunikation vollkommen ad absurdum geführt wird.

Als wäre der Schritt zum -- privaten, wohlgemerkt! Die Schufa ist immer noch ein gewinnorientiertes Unternehmen! -- Big Brother Institut Schufa nicht schon schlimm genug forciert diese Datenverknüpfung eine Art von Gesellschaft, in der ich zumindest nicht leben möchte: Die Ständegesellschaft. Hier der Versuch eine logischen Argumentation in 3 Schritten.


  1. Die vom NDR veröffentlichten Informationen sprechen eindeutig von "Relationship Extraction, um Beziehungen zwischen Entitäten zu gewinnen." Mit anderen Worten: Es wird geschaut, wer mit wem befreundet ist. Böse Zungen könnte jetzt auch sagen: Mit welcher Art von Mensch mensch am meisten Kontakt hält.
  2. Diese gewonnenen Daten werden auf ihre Korrelation zur Bonität der Person hin untersucht.
  3. Daraus folgt: Wenn du dich viel mit Menschen umgibst, die eine schlechte Bonität haben, dann machst du das doch nur, weil du auch eine schlechte Bonität hast und die anderen möglicherweise vom Jobcenter oder der Tafel her kennst. Willst du also keine schlechte Bonität auf Grund deiner Bekannten haben, dann halte deine Bekanntschaften rein und säubere deine Freundesliste von Individuen, die deinem Ruf schaden könnten. Öffentlich würde die Schufa eine derartige Ansicht natürlich nicht teilen, aber NDR Info liegen laut eigenen Aussagen vertrauliche Informationen vor, die genau diesen Verdacht bestätigen.
Wir sind also wieder in Zeiten der Ständegesellschaft angekommen: Wenn mensch sich nicht standesgemäß mit Freunden umgibt, dann muss der Ruf zwangsläufig leiden und das Leben wird erschwert. Ob der Durchgang nach oben ebenfalls durchlässig ist -- also ob man aufsteigt, wenn mensch sich nur mit guten Menschen umgibt -- ist dagegen mehr als fraglich. Vorsorglich haben auch schon einige Nutzer in sozialen Netzwerken ihre Freunde ironisch dazu aufgerufen sich zu entfreunden, falls sie Hartz IV empfangen sollten. Die Nachricht ist also verstanden wurden.

Diese Art der Datenverknüpfung ist zynisch und menschenverachtend. Sie stärkt die ohnehin schon grassierende Entsolidarisierung in der Gesellschaft, fördert Ellenbogenmentalität und stur hedonistisches Denken. Nach Schule, Ausbildung und Studium, die heutzutage schon stromlinienförmig zu verlaufen haben, muss jetzt also auch noch der Freundeskreis "artgerecht" gehalten werden. Kein Wunder, dass mir wieder reihenweise Nazivergleiche einfallen...

Dennoch, so ganz Hoffnungslos ist die Situation nicht, wie Heise mensch bei Heise lesen kann: Sie berichten, dass einige Datenschützer schon Bedenken gegen das Vorgehen angemeldet haben. Ich hoffe die Datenschützer haben recht und strafen der Aussage der Schufa, dass sich "natürlich alles im juristischen und legalen Rahmen in Deutschland" bewegt, Lügen. Wäre ja nicht das erste Mal, dass Big Brother Organisationen mit ihrer rechtlichen Einschätzung daneben lagen.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Braunschweig, deine Straßenkunst (4)

Willkommen zurück zur allseits beliebten Fotoparade. Nach den letzten Bleiwüsten-Posts ist diese bunte Auflockerung sicherlich allseits willkommen. Diesmal schauen wir uns wirklich Kunst an, die sich direkt an der Kunstmühle am Ringgleis finden lässt. Die nachfolgenden Werke sind direkt gegenüber des Graffitis, das ich im letzten Post vorgestellt habe.


Ja, heute gibt es ein echtes Kunstwerk. Mit Tafel und Werkschaffenden. Ich hoffe, es gefällt euch.

Wer eine Hochzeit tut, der hat das Aufgebot ohne die GEMA gemacht

Irgendwie beschäftigt mich in letzter Zeit das Thema Hochzeit. Vielleicht, weil an meinem Schreibtisch ein Klebezettel mit Terminen zur Anmeldung der Eheschließung und der Heirat hängt. Wer weiß. Jedenfalls kam mir in dieser intensiven Beschäftigungsphase ein kleiner netter Artikel von netzpolitik.org unter die Augen, den ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte.

Es geht darum, dass in Kanada jetzt wohl eine Abgabe beschlossen wurde, die auch bei privaten Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Geburtstagen zu entrichten ist, wenn auf dieser Feierlichkeit (geschützte) Musik spielt wird. Dies inspirierte den netzpolitischen Autoren dazu, mal bei der GEMA die Situation in Deutschland zu erfragen. Die Antwort könnte komplizierter und nichtssagender nicht sein, weswegen ich allen Interessierten den schon genannten Link ans Herz legen möchte.

Die Idiotie hinter dieser Sache stärkt mich einmal mehr in meiner Ansicht, dass das Urheberrecht nicht dafür da ist, Privatpersonen zu gängeln, sondern um "Industriespionage" zu verhindern. Dennoch macht das aktuelle Leistungsschutzrecht das Leben aller Privatpersonen plötzlich sehr kompliziert: Plötzlich erscheint es leichter die Steuerklärung auszufüllen als herauszufinden unter welchen Umständen eine legal gekaufte CD eigentlich noch abgespielt werden kann, ohne das weitere Forderungen entstehen.

Womit ich auch gleich bei meinem Punkt ankomme. Konservative Politiker fordern beinahe reflexartig bei Urheberrechtsverletzungen härtere Strafen. (Alles was jetzt kommt bitte ich als Satire anzusehen) Recht so! Aber nur unter der Voraussetzung, dass alle Geburtstags- und Hochzeitsfeiern der vergangenen 70 Jahre nochmals akribisch überprüft und anfallende Forderungen noch gestellt werden können -- ohne irgendwelche politische Immunität, die den Politiker schützen würde. Diese wollen doch immer mit gutem Beispiel voran gehen, also sollen sie es auch!

Die auf diese Art generierten Einnahmen würden die darbende Musikindustrie auf Jahre künstlich am Leben halten. Und die Politiker würden vielleicht endlich einsehen, auf welch falsches Pferd sie gesetzt haben. (Ende der Satire. Ja, erst hier. Denn dass Politiker etwas einsehen können, daran glaube ich genauso wenig wie an den Weihnachtsmann.)


Da fällt mir ein: Ich sollte mir für meine Hochzeit noch einen GEMA-Antrag holen. Es wird zwar nur cc Musik gespielt (das beschließe ich jetzt mal selbstherrlich), aber anmelden muss mensch es ja doch, weil alles so demokratisch und fair geregelt ist. So ist das halt mich Pflichten: Mir wird pauschal unterstellt, dass ich die Musikindustrie verarschen will und ich muss deshalb nachweisen, dass ich es nicht mache. Wie war das nochmal mit der Unschuldsvermutung?

Beim schreiben des Artikels musste ich öfter an meinen Lieblingsartikel der Süddeutschen denken, an den ich gerne erneut erinnern möchte. Das ist zumindest mal ne Basis, auf deren Grundlage mensch weiter diskutieren kann.

Jetzt erhältlich: Das Humble Indy Bundle V!

Trotz oder wegen Krankheit komme ich endlich dazu diesen Artikel fertig zu stellen. Die Verzögerung erweist sich dabei als vorteilhaft, weil neue Aspekte ans Licht kamen, die ich noch mit einarbeiten konnten. Aber lest selbst.

Ein neues Humble Indie Bundle, das fünfte seiner Art, ist verfügbar. Und es ist ein Bundle der Superlative. Das Startaufgebot besteht aus
Bastion gibt es nur, wenn mensch mehr als den Durchschnitt bezahlt, alles andere ist ab einen US cent erhältlich. Werden Steam-Keys benötigt, dann liegt das Mindestgebot bei einem US-Dollar. Wie immer gibt es die Spiele ohne DRM und ein Teil des Geldes lässt sich wieder spenden. Als karitative Organisationen sind, wie schon öfter, die Electronic Frontier Foundation und Child's Play vertreten. Soweit also nichts neues.

Neu ist, dass ich mich frage, in wie weit dies noch ein "Indie"-Bundle ist. Mit Psychonauts ist ein Spiel vertreten, welches nicht unbedingt von einer unbekannten Person programmiert wurde: Tim Schafer, dem wohl größten lebenden Adventuregamedesigner auf Erden! Gut, Psychonauts war damals ein finanzieller Flop (weswegen der kommende Nachfolger über Kickstarter finanziert wurde), aber der Gamedesigner ist eine Legende, brachte er uns doch die ersten Monkey Island Teile, Day of the Tentacle und Grim Fandango. Aber vielleicht ist das auch der Grund, warum Schafer zu den Indies gezählt werden kann: Es sind Nerd-Legenden, die ich hier gerade aufgezählt habe. Spiele also, die dem Ego-Shooter-Fan vielleicht gepflegt am Allerwertesten vorbei gehen. Spiele mit Tiefgang und Story, die einen an den Rand der Verzweiflung treiben können, wenn mensch mal nicht weiter kommt. Sowas will doch heute keine mehr spielen, jeder muss alles erreichen können und das ohne viel Aufwand, damit sich niemand beleidigt fühlt. Wer's nicht glaubt, der schaue sich mal aktuelle Diskussionen zu World of Warcraft an ;)

Anyway, mit Schaffer ist eine Legende beim Bundle vertreten. Und das ist auch deutlich zu merken. Innerhalb der ersten 5 Stunden wurden über 1 Million Dollar eingenommen, einen Tag später wurde die 2 Millionen Dollar Grenze geknackt, aktuell steht das Bundle bei 3,1 Millionen US-Dollar bei 8 Tagen Restlaufzeit und ohne die zu erwartenden Zugaben in der Laufzeitsmitte. Damit ist das Indie Bundle V schon jetzt das erfolgreichste Bundle aller Zeiten!

Der Erfolg zeigt wie sich auch mit dieser Art der Verkaufens gutes Geld verdienen lässt, ohne dass dafür die User mit DRM oder ähnliches geknebelt und gegängelt werden müssen. Ich hoffe, das Beispiel macht Schule.

Weniger beispielhaft sollte allerdings die Entscheidung sein, die Limbo in das Bundle brachte. Auch wenn es den meisten Menschen egal sein wird, so ist die über das Bundle verbreitete Version kein nativer Linux-Port sondern eine in crossover gewrappte Windows-Variante. Mit anderen Worten: Im Kern ist es ein erweitertes wine, welches die Windows-Version unter Linux zum laufen bringt -- wenn es denn läuft. Sollte sich dies durchsetzen, so müsste das Humble Bundle in Zukunft sich nicht mehr die Mühe machen Linux-Versionen bereit zu stellen, weil ja alle Windows-Versionen mit wine/crossover lauffähig werden. Es gilt also sich den Anfängen zu erwähren, damit das Bundle auch weiterhin plattformübergreifend bleibt. Im Netzt gibt es auch schon die erste Petition zu diesem Thema, eine ausführlichere Beschreibung des Problems finden sich (in englisch) auf dieser schönen Seite. Ich habe die Petition unterzeichnet, weil ich auch in Zukunft nativ unter Linux laufende Spiele im Humble Bundle haben möchte.

Aber genug gemeckert: Happy Gaming!

Montag, 4. Juni 2012

In the grim darkness of the far future there's only copyright!

Das Urheberrechht erreicht also jetzt die Dritte Dimension, wie Telepolis zu berichten weis? Ein erster Blick und kurzes Nachdenken zeigen, dass es bei Weitem nicht erst jetzt in der Welt der anfassbaren Gegenstände angekommen ist. Doch die Folgen, die 3D-Drucker und rapid prototyping auf unser Leben haben könnten, sind kaum abzusehen. Sicher erscheint aber, dass es für uns teurer werden wird, wenn sich nicht maßgeblich im Urheberrecht etwas ändert. Aber der Reihe nach.

Denkt mensch an geistiges Eigentum und Urheberrecht dann denkt wohl jeder und jede zuerst an die Musik- und Filmindustrie, die in den letzten Jahren mit überzogenen Abmahnung gegen ihre Konsumenten und öftmals auch gegen ihre Kunden vorgingen. Mit Abstand folgen dann die Verlage, deren Digitalisierungswelle gerade erst Fahrt aufnimmt. Dann kommt lange Zeit nichts mehr in der öffentlichen Wahrnehmung. Immer geht es Digitalisate, die sich verlustfrei und beliebig kopieren lassen, nie um anfassbare Objekte. Doch stille Wasser sind tief und die Zeiten ändern sich.

Urheberechtsstreitigkeiten für Objekte sind nicht wirklich neu: Mensch denke an Apple und Samsung, die sich regelmäßig wegen sogenannter Gebrauchsmuster streiten. Das Smartphone des einen sieht zu sehr nach dem Cell Phone des anderen aus und schon werden die Anwälte von der Leine gelassen, Vertriebsverbote erlassen und Schadensersatz gefordert. Kaum ein Tag vergeht, an dem sich nichts über derartige Vorgänge in den Zeitungen finden lässt. Dies sind die Art von Streitigkeiten, für die das Urheberrecht mal gemacht wurde: Zwei Firmen treffen aufeinander und feilschen um Wettbewerbsvorteile.

Dies änderte sich seit Napstar massiv: Nicht mehr der Mitbewerber war das Ziel der juristischen Scharmutzel, sondern der Konsument, der nicht mehr bereit war die Wucherpreise zu bezahlen, die damals vor allem die Musikindustrie forderte. Daraufhin griff der Kunde zur Selbsthilfe. Flankiert wurde dieses Unternehmen durch die flächendeckende Versorgung mit Digitalisaten, die erstmals die Preisidiotie der Majors offensichtlich werden lies.

Prompt wurde gejammert, illegale "Raubkopien" töten Musik -- eine Kampagne, die wie "Home Taping is Killing Music" in den 80zigern den Niedergang der Musik zum apokalyptisches Szenario aufbauschte. Nüchtern betrachtet lässt sich aber feststellen: Weder die Einführung des Kassettenrekorders noch die Erfindung der MP3 haben die grossen Konzerne ruiniert! Beide führten lediglich dazu, dass Majors ihr Vertriebsmodell überdenken mussten, welches sich plötzlich als doch nicht naturgegeben herausstellte -- obwohl die Majors bis heute der Meinung sind, es wäre so.

Dies sind alles mehr oder minder olle Kamellen und bieten kaum Neuigkeitswert. Kommen wir also zur Synthese der objekthaften und der digitalen Kopien und betrachten wir das Neue. Games Workshop Limited (GW) ist eine britische Spieleschmiede, die vor allem für ihre Tapletop-Spiele bekannt ist. Neben dem Fantasyspiel Warhammer haben sie noch das futuristische Warhammer 40k sowie das Lizenzspiel Herr der Ringe im Portfolie. Darüber hinaus haben sie im Backkatalog einige Klassiker, die sie hin und wieder mal limitiert neu auflegen (Blood Bowl, Space Hulk). Diese Firma war schon immer sehr bedacht auf ihr Urheberrecht, was unter anderem die Veröffentlichung eines nicht-kommerziellen Fanfilms verhinderte.

Das Feld der 3D Drucker ist schon lange eine Entwicklung, die GW den Schweiß auf die Stirn treibt. Ich habe mir sogar sagen lassen, es gäbe einige von GW unterhaltene Läden, in denen die lokalen Redshirts Gespräche über rapid prototyping energisch unterbinden. Als Redshirts werden die Mitarbeiter in den GW Läden bezeichnet; einerseits aus Hommage an Star Trek, andererseits auf Grund ihrer roten Berufskleidung. Gespräche über 3D Drucker werden übrigens unabhängig davon abgebrochen, ob diese im Zusammenhang mit GW Produkten stehen oder durch reine technologische Neugier motiviert sind.

Mit der ersten Abmahnung für 3D-Objekte, die jetzt durch GW verschickt wurde, verlagert sich der Kampf ums Urheberrecht von den Festplatten in die begreifbare Welt. Und auch wenn es nur nach einer Kleinigkeit aussieht und es nur um ein Spiel zu gehen scheint, so sind die Implikationen doch bedeutender. Was ist, wenn es irgendwann billiger sein sollte, sich eine Spezialschraube drucken zu lassen als diese im Laden zu kaufen? Oder die selbe Schraube im Laden aus einem Material gefertigt ist, das nicht die benötigte Stabilität aufweißt? Oder diese Schraube gar nicht mehr hergestellt wird? Was passiert, wenn diese Schraube noch urheberrechtlich geschützt ist? Wird dann mit der Druckrechnung gleich noch die Abmahnung rausgeschickt -- inklusive Aufforderung, die Schraube zu zerstören, damit sie nicht widerrechtlich eingesetzt wird?

GW scheint den falschen Weg der Musik- und Filmindustrie gehen zu wollen. Anstatt die neue Technik aufzugreifen, wird sie bekämpft. GW könnte sich rapid prototyping zu Nutzen machen und mit dieser Technik individuelle Charaktermodelle anbieten, die für mehr Variationen auf dem Spielfeld sorgen würden. Oder Spezialteile anfertigen lassen, die Spieler und Spielerinnen schon immer verzweifelt gesucht, aus mangelnden Fähigkeiten aber nie modelliert bekommen haben.

Aber nö. Lieber draufhauen. Ist ja auch ein Kriegsspiel und kein Kindergeburtstag.

Sonntag, 3. Juni 2012

Von Burschen in Deutschland und Nazis in Hamburg

Ein gutes Jahr ist es her als die Deutsche Burschenschaft von sich Reden machte: Damals diskutierte sie auf ihrem Burschentag quasi öffentlich darüber, ob nicht eine Art "Ariernachweis" von Bewerben zu verlangen sei. Die ob dieser Diskussion entstandene Medienöffentlichkeit war ihnen mehr als peinlich und sie beschwichtigten, wo immer sie konnten. Diesen Worten folgte -- wie sollte es auch anders sein -- kaum Taten: Lediglich die Einführung des "Ariernachweises" wurde abgelehnt. Danach lief alles so weiter wie bisher.

Welches Geistes Kind die Deutsche Burschenschaft ist zeigt sich jetzt, ein Jahr später, mehr als deutlich. Unter der Überschrift "Offiziell rechtsextrem" lässt sich in der Frankfurter Rundschau folgender Satz lesen: "[...] sie hat gleich zum Auftakt ihres alljährlichen Burschentages in Eisenach einen rechtsextremen Funktionär im Amt bestätigt. Sie rückt jetzt auch ganz offiziell nach rechts." Die also, die damals nur "Einzelmeinungen" absonderten und nicht für den gesamten Verband sprachen, werden nun wieder als Funktionäre des Verbandes bestätigt. Irgendwie steht hier die Aussage in keinem logischen Zusammenhang zur Handlung. Aber so ist das halt mit verbohrten Ideologien...

Der liberale Flügel kündigt, wie vor einem Jahr, auch Angesichts dieses "Fauxpas" erneut die Abspaltung an. Ich vermute, auch hier werden den Worten keine Taten folgen. Es wirkt eher so, als versuche man die "Ehre" zu retten indem man nach außen signalisiert, dass "ja nicht alle so schlimm sind." Falls also wirklich mehr hinter den Aussagen stehen sollte, dann glaube ich dies erst, wenn die Spaltung erfolgt ist und sich die Spalter öffentlich von der rechten Deutschen Burschenschaft distanzieren. Alles andere ist nur inhaltsleere Augenwischerei.

Apropos Rechte: In Hamburg marschierten heute einige hundert rechte Vollpfosten für den "Tag der deutschen Zukunft". Es waren sogar weniger Armleuchter anwesend als ursprünglich erwartet wurden. Bei der Blockade der Demonstrationsroute kam es vereinzelt zu Randalen (NDR) oder zu schweren Ausschreitungen (Frankfurter Rundschau), je nachdem welche Nachrichtenseite mensch ansteuert.

Wie zu erwarten war, waren am heutigen Tag mehr Gegendemonstranten als Nazis auf den Straßen: Laut Schätzungen haben rund 10.000 Personen an der offiziellen Gegenkundgebung auf dem Hamburger Rathausplatz teilgenommen und 4400 Menschen blockierten die Route der Hirnlosen in Wandsbek. Danke für diese erneute und öffentliche Demonstration, dass die ewig Gestrigen keinen Platz in der Moderne haben!

Augenscheinlich haben die beiden Mitteilung außer der Beteiligung des rechten Rands wenig miteinander gemein. Vergleicht man aber die Zahlen, dann stellt man erstaunliches fest: In den 120 Burschenschaften in Deutschland sind rund 10.000 Studenten organisiert (Quelle ist erneut der Artikel der Frankfurter Rundschau); in Hamburg gehen eben so viele Menschen gegen rechtes Gedankengut auf die Straße. Was für ein Zufall diese Zahl am selben Abend in zwei so unterschiedlichen, aber dennoch verwandten Zusammenhängen zu lesen. Es gibt auf jeden Fall Hoffnung, dass allein in Hamburg mehr Menschen für ein buntes Miteinander auf die Straße gehen als dass sich deutschlandweit Männer in elitären Grüppchen zusammenrotten, um in diesen die Welt unter sich aufzuteilen.

*Für eine friedliche und emanzipatorische Zivilgesellschaft*

Samstag, 2. Juni 2012

Gefährliche Zeiten

Der Bericht über die kanadische Provinz British Columbia, die Überlebenstipps für die anstehenden Zombieinvasion verbreiten, liegt nur wenige Tage zurück und ich beginne mich zu fragen, ob nicht langsam aus der Ironie ernst wird. Der tägliche Blick in die Zeitungen war wahrlich erschreckend.

Da ist ein kanadischer Pornodarsteller, der Leichenteile per Post verschickt. Dann gibt es einen Mann in Miami, der einen Obdachlosen anfällt und dessen halbes Gesicht verspeist. Und zu guter Letzt frisst ein Studierender in Baltimore Herz und Hirn seines Mitbewohners. Laut Frankfurter Rundschau könnte das erhöhte Gewaltpotential, zumindest in den beiden Fällen von Kannibalismus, im Zusammenhang mit einer neuen, synthetischen Droge stehen (siehe hierzu den letzten Link).

Heiliger Irgendwas, langweilen wir uns wieder derart zu Tode, dass der Tod zu einer attraktiven Freizeitbeschäftigung verkommt? Alle drei Meldungen kamen innerhalb der letzten Woche rein und ich hoffe inständig, dass dieses geballte Maß an Grausamkeit und Unmenschlichkeit nicht zur Regel wird.

Donnerstag, 31. Mai 2012

Gegen Hetze, Diffamierung und Verleumdung

Der "sachliche" PolitBlog Politically Incorrect (PI) ist schon länger als rechter Meinungs- und Scharfmacher bekannt, wie mensch unschwer auf den Seiten des Politbloggers feststellen kann. Wäre des Thema nicht so ernst könnte der RSS-Feed dieser Seite (ich meine jetzt Politblogger) ein schönes Anschauungsbeispiel für domestizierte menschliche Dummheit in bester realsatirischer Reinkultur sein. Leider meinen die Leute auf PI es aber ernst. Teilweise todernst.

Kein Wunder, dass die rechten Armleuchter sich auch in die wieder aufkeimende Sarrazin-Debatte einmischen. Kaum einer lässt lässt ein gutes Haar an ihn -- zum Beispiel Robert von Heusinger in der Frankfurter Rundschau oder Hans-Jürgen Jakobs in der Süddeutschen --, doch die rechten Hetzer von PI haben ein anderes Opfer gefunden. Im Gegensatz zu von Heusinger und Jakobs ist Mely Kiyak weiblich und deutsch-kurdische Abstammung.

Kiyak ist schon länger im Visier von PI und hat die Erfahrungen der gegen sie gerichteten Hetze in einem Artikel zusammengefast. In der aktuellen Sarrazin-Debatte ist sie auch wieder vertreten -- und wird von der rechten Seite scharf angegriffen.

Grund dafür ist ein Kommentar, der in der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau erschienen und in dem sie Sarrazin als "lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur" (an dieser Stelle sei auf Wikipedia verwiesen, weil der Kommentar online derzeit nicht aufzufinden ist) beschriebt. Diese Darstellung ist nicht nur streitbar, sondern auch höchst unschön, denn Sarrazins körperliche Auffälligkeiten resultieren aus einer Tumor-OP, die seine rechte Gesichtshälfte teilweise lähmte. Laut eigener Aussagen war dies der Autoren zum Zeitpunkt der Abfassung nicht bewusst gewesen, wofür sie sich öffentlich entschuldigte:

"[...] Meine Intention war zu keinem Zeitpunkt, ihn persönlich herabzusetzen. Thilo Sarrazin erscheint als Diskutant ungewöhnlich und erfordert aufgrund seiner Sprache, Gestik und Mimik Toleranz und Rücksichtnahme. Selbst verweigert er aber diese Rücksichtnahme und Toleranz hinsichtlich Erscheinungsbild, Lebensformen, Herkunft und Disposition Anderer. Mir ging es darum, auf seine eigenen – nicht körperlich bedingten – Unvollkommenheiten in seinem Auftritt hinzuweisen; wie ich jetzt finde, mit unzulässigen Mitteln. Wenn ich den physiologischen Hintergrund gekannt hätte, hätte ich das Bild nicht gewählt. Ich bedauere das sehr! [...]" (Hier geht's zur Quelle)

Die Wortwahl in Bezug auf Sarrazin ist wahrlich nicht schön und hätte besser niemals das Licht der Welt erblickt; aber man darf auch nicht vergessen mit welchem Hass und welcher Vehemenz der rechte Rand insbesondere gegen engagierte und teilhabende Minderheiten hetzt sobald sie sich in die Öffentlichkeit "wagen". PI beispielsweise tituliert Frau Kiyak mit folgenden Worten:

Was fällt dieser Kurdenschnecke eigentlich ein, deutsche Staatsbürger zu beleidigen.

Die Drecks-Türkenschlampe soll sich bloß aus Deutschland entfernen, sonst schlagen wir sie tot. Raus mit dem fremdvölkischen Ungeziefer aus Deutschland … (zitiert nach dem Schockwellenreiter, weil ich wirklich nicht auf PI verlinken will)

Von Seiten PIs wird wohl auch nie eine wie auch immer geartete Entschuldigung kommen. Und die Morddrohung ... naja, das war doch nur Spaß, die Beißen doch nicht. Die wollen nur Spielen.

Okay, mal alle Ironie und allen Sarkasmus bei Seite und Tacheles:

(1) Der Diskussionsstil und die Umschreibung von Thilo Sarrazin sind böse, gehen zu weit und gehören entschuldigt. Dies ist geschehen.

(2) Der Umstand der verbalen Entgleisung in einem erregten Moment -- ja, man kann auch Texte sehr erregt schreiben und wenn dann die Redaktion pennt und niemand den oder die Autorin auf ihren inhaltlichen Fehler hinweist, dann wird auch ein erregter Text gedruckt; ist ja nicht so, dass man ewig und drei Tage für einen Kommentar Zeit hätte -- rechtfertigt aber bei weitem keine Mordandrohung, keine sexistische Diffamierung oder menschenunwürdige Herabsetzung! Frau Kiyak hat sich in ihren Worten vergriffen, keine Frage, aber eine derartige Behandlung hat niemand verdient. Es ist eine Schade für die Menschheit, dass es immer noch Idioten gibt, die sich an sowas willkürlichem wie Herkunft, Nationalität oder Geschlecht festbeißen und daraus eine Hierarchie ableiten, an deren Spitze sie natürlich Weise selber stehen, womit alle anderen automatisch zu Untermenschen werden.

Hier also meine Meinung dazu:


  • Ich erkenne die Veranlagung des Menschen, Fehler zu machen, an und akzeptiere Entschuldigung;
  • ich erteile Rassismus und Nationalismus eine klare Absage; 
  • ich solidarisiere mich mit Frau Kiyak trotz ihrer streitbaren Aussagen, weil die Welle an Hass, die ihr nicht erst seit ihren streitbarem Zitat entgegen schlägt, keinem Menschen niemals mehr auf dieser Welt verschlingen sollte.


Für eine zivile, friedliche und gerechte Weltzivilgesellschaft! Wehret den Anfängen bevor die Welt erneut brennt.

Ein iBook für die Masterarbeit

Ein turbulenter Monat liegt hinter mir, den ich noch genauer im kommenden Monatsrückblick zusammen fassen werde. Eine Veränderungen, die der Mai brachte, möchte ich aber schon jetzt detaillierter Erläutern.

Wie schon mehrfach erwähnt arbeite ich, wenn ich mich nicht gerade auf g+ oder hier rumtreibe, an meiner Masterarbeit. Und eigentlich hatte ich mir zu diesem Zweck einen Laptop fertig gemacht, damit ich außerhalb der Wohnung tippen kann -- vornehmlich an Orten, die weniger Möglichkeiten zur Prokrastination bieten. Dann aber machte sich eben dieser Laptop mit meiner Verlobten im Schlepptau auf den Weg in die freie und Hansestadt Hamburg und ich blieb ratlos zurück. Zwar nicht allein, aber mit Hardware, die mir für meinen Zweck nicht ausreichend erschien, weil sie mehr Ärger über mangelnde Performance als Freude über getippte Seiten in Aussicht stellte. Bis ich eher zufällig auf MintPPC stieß und ich mein uralt iBook G4 aus dem Schrank kramte.

Linux Mint ist eine Distro, deren Entwicklung ich interessiert verfolge, auch wenn ich sie bisher nicht angetestet habe. Ich kann nicht wirklich sagen wieso aber ich hänge einfach an der Mutter dieser Distros und bleibe wohl noch für eine ganze Weile Debian Testing treu -- auch, weil Debian mir mein geliebtes GNOME3 anstatt MATE oder Cinnamon bringt, die ich dann erst wieder löschen müsste. Okay, MintPPC nutzt LXDE anstatt GNOME3, aber auf einem Schlepptop mit 1,33 Ghz Prozessor und 512 MB-RAM ist dies auch die bessere Wahl, denke ich.

Das Installationsimage ist mit weniger als 20 MB wirklich klein und schnell runtergeladen. MintPPC holt sich alle Pakete direkt aus dem Netz, weswegen zur Installation unbedingt ein Internetverbindung erforderlich ist. Auch lässt sich der WLAN-Chip nicht während der Installation absprechen, weswegen eine Kabelverbindung zwingend notwendig ist.

Gestern dann also die Installation des neues OS, die auf Grund eines DAU-Fehlers länger dauerte als eigentlich beabsichtigt: Das Netzkabel hatte sich unbemerkt gelöst und der ohnehin angeschlagene Akku war schneller leergeluscht als ich den Fehler bemerken konnte. Die Folge war ein Neustart des Installationsprozesses. Aber von diesen kleinen Hindernissen abgesehen verlief die Installation absolut problemlos und weitgehend automatisiert. Auch Windows-Nutzer würden das hinbekommen -- auf einem PowerPC wohlgemerkt! ;)


Dienstag, 29. Mai 2012

Braunschweig, deine Straßenkunst (3)


In unserer heutigen Straßenkunstausgabe möchte ich ein ganz spezielles Kunstwerk vorstellen, aus welchem ich mir auch mein Profilfoto entliehen habe. Zu finden ist dieses Kunstwerk am Ringgleis gegenüber der Kunstmühle, auf die ich im nächsten Post zu sprechen kommen werde. Also, nicht lang schnacken: Hier sind die Bilder:

Beware of the zombies!

When zombies come to town... Wie mensch sich in diesem apokalyptischen Szenario verhallten sollte verrät die kanadische Provinz British Columbia. Zwar wird nicht mit einem Angriff in den kommenden Monaten gerechnet, aber die Tipps könnten sich auch für andere Katastrophen als hilfreich erweisen, weswegen der Survival Guide online bereitgehalten wird. Vor allem Ratschlag Numero drei ("Have a Plan!") lässt sich wohl auf so ziemlich jede Lebenssituation übertragen!

Apropos Zombies: Eine sehr liebe Freundin hat mir etwas unglaublich cooles aus Island mitgebracht, wo sie das letzte Jahr verbrachte. Seit einigen Tagen darf ich mich offiziell "Herr über 10000 Zombies" schimpfen. Naja, eigentlich 10001, denn Rob Zombie steuerte noch ein Vorwort bei.


Okay, 10000 Zombies zu besitzen klingt irgendwie schöner als "ich habe ein Buch, mit dem ich 10000 Zombies erschaffen kann". Mensch möge mir meine Überheblichkeit verzeihen.

Zum Buch an sich: Die Illustrationen stammen von David Hartmann, die Texte von Alexander Cox. Erschienen ist das Buch bei New Holland Publishers. Da es ein Geschenk war suche ich keinen Link zur Bestellung heraus, da ich gar nicht wissen möchte, was es kostet. Mit den Angaben und ein wenig Google sollte das Buch aber schnell zu finden sein.

Die Seiten sind nicht ganz, sondern zweimal zerschnitten, so dass ein Drittel für den Zombiekopf, ein Drittel für den Torso und ein letztes Drittel für die Beine bleibt. Auf diese Weise lassen sich die einzelnen Zombieteile beliebig kombinieren und neue, noch grauenhaftere Zombies erstellen.


Das Prinzip ist vielleicht aus dem einen oder anderen Kinderbuch bekannt. Wirklich schon umgesetzt finde ich aber die textliche Komponente, welche richtig nette Stories hervorbringt. Die Brüche zwischen den einzelnen Passagen sind nie störend -- gelegentlich wirken sie wie geniale Flashbacks. Ich kann mich an eine Story erinnern, die mit der Erinnerung an die Tage vor den Zombies begann und dann übergangslos in einen Kampf mit Zombies geschnitten wurde. Großes Kino, wie man es gerne im Film sieht ;)

Natürlich leidet ein wenig der Detailreichtum der Erzählung um die Rekombinierbarkeit zu gewährleisten. Aber hey, allein für die Idee und die noch rund 9985 Zombiegeschichten, die auf mich warten, gebe ich fünf Punkte und eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für alle Zombie-Fans da draußen.


Brrraaiiiinnnnssss....

Freitag, 25. Mai 2012

Don't Panic! But where's your towel?

In der allseits beliebten Reihe "Wirklich elementare Feiertage, die keiner vergessen darf" gibt es am heutigen 25. Mai einen besonders schönen vorzustellen: Den Happy Towel Day, dem Gedenktag für den unvergleichlichen Douglas Adams und seinen Anhalter durch die Galaxis!

Zur Erinnerung gibt es hier die Originalpassage aus dem Buch:
A towel, it says, is about the most massively useful thing an interstellar hitchhiker can have. Partly it has great practical value - you can wrap it around you for warmth as you bound across the cold moons of Jaglan Beta; you can lie on it on the brilliant marble-sanded beaches of Santraginus V, inhaling the heady sea vapours; you can sleep under it beneath the stars which shine so redly on the desert world of Kakrafoon; use it to sail a mini raft down the slow heavy river Moth; wet it for use in hand-to- hand-combat; wrap it round your head to ward off noxious fumes or to avoid the gaze of the Ravenous Bugblatter Beast of Traal (a mindboggingly stupid animal, it assumes that if you can't see it, it can't see you - daft as a bush, but very ravenous); you can wave your towel in emergencies as a distress signal, and of course dry yourself off with it if it still seems to be clean enough. 
More importantly, a towel has immense psychological value. For some reason, if a strag (strag: non-hitch hiker) discovers that a hitch hiker has his towel with him, he will automatically assume that he is also in possession of a toothbrush, face flannel, soap, tin of biscuits, flask, compass, map, ball of string, gnat spray, wet weather gear, space suit etc., etc. Furthermore, the strag will then happily lend the hitch hiker any of these or a dozen other items that the hitch hiker might accidentally have "lost". What the strag will think is that any man who can hitch the length and breadth of the galaxy, rough it, slum it, struggle against terrible odds, win through, and still knows where his towel is is clearly a man to be reckoned with. (Adams, Douglas: The Ultimate Hitchhiker's Guide. New York, 1996. S. 21)
Mensch sieht deutlich: Es lohnt sich zu wissen, wo sich das eigene Handtuch befindet. Mein heutiger Begleiter sieht so aus:


Wie leicht zu erkennen ist, ist diese Handtuch schon älter und -- um ehrlich zu sein -- gar nicht direkt meines. Es gehört meiner Freundin, die aus beruflichen Gründen im Moment im fernen Hamburg weilt und die ich nach einer Woche Entzug heute endlich wiedersehe. Es lebe das Wochenende!

Das Handtuch besitzt sie so lange wie ich sie kenne -- und das sind jetzt weit über 10 Jahre. Dementsprechend mitgenommen sieht es auch aus: Es verliert schon Fäden und richtig flauschig ist es schon lange nicht mehr. Aber es gehört ihr. Winnie Pooh zählt zu ihren Lieblingskinderbüchern und Ferkel ist ihr unangefochtener Held.

Deswegen habe ich es heute dabei. Egal, wohin ich heute gehe. Damit, falls die Vogonen heute die Welt sprengen, ich etwas von ihr dabei habe womit ich sie im fernen, kalten All wiederfinden kann. Nichts auf dieser oder irgendeiner anderen Welt ist nützlicher als das Wissen um den Verbleib des eigenen Handtuchs!

Happy Towel Day 2012!

PS: Der diesjährige Towel-Day gehört sogar zu den ultimativen! Denn:  25 + 5 + 12 = 42

Mittwoch, 23. Mai 2012

Auf unser täglich Brot wetten wir heute

Ein von der Satiresendung Extra 3 empfohlener Beitrag der ARD mit dem Titel "Verzockt - und verklagt: Die guten Geschäft der Deutschen Bank" (aktuell noch in der Mediathek abrufbar, einfach auf den Link klicken) hat gestern auf Google+ zu einigen Diskussionen geführt. Einig waren sich wohl alle Beteiligten, dass Spekulationen mit Nahrungsmitteln ein absolutes "No-Go" sind. Und wie der Zufall es so will haben kurze Zeit später die Menschen von campact.de eine Unterschriftenaktion gestartet, die unsere Minister dazu bewegen soll die Spekulation auf Lebensmittel wieder einzuschränken und zu verbieten.

Wieder? Ja, genau. Wieder! Denn erst im Jahr 2000 wurde das Verbot der Spekulation auf Nahrungsmittel gelockert. Mit verheerenden Folgen, wie sich jetzt zeigt. Das Banksystem, das sich in der Krise von 2008 in seiner Gier als unfähig erwies eine stabile Wirtschaft aufrechtzuerhalten, wettet mit der selben Gier nach übertriebenen Renditen auf das, was Menschen zum täglichen Überleben brauchen. Um ihren Gewinn zu optimieren treiben sie die Kosten für Nahrungsmittel in die Höhe, was Hunger bei jenen zur Folge hat, die sich ihr Brot oder ihren Reis plötzlich nicht mehr leisten können.

"Hunger. Das klingt nicht so schlimm. Ein kleines Ziehen in der Magengegend. Das wird schon wieder." Was die Fokussierung auf das Wort "Hunger" in der Berichterstattung der Medien leicht vergessen lässt ist das Sterben und der Tod, welche am Ende des Hungerleidens warten. Wer sich sein Essen nicht leisten kann wird sich wiederholt das Essen nicht leisten können, wer zu oft nicht isst, der oder die stirbt. Unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Konstitution, Religion, Nationalität und was sich hier noch so anführen ließe.

Nur an wenigen Stellen ist der Zusammenhang zwischen dem Gewinn des Einen und dem Tod des Anderen derart unmittelbar war im Punkt der Lebensmittelspekulation. Die anstehende EU-Finanzmarktreform bietet jetzt Gelegenheit, dieses Treiben wieder politisch zu unterbinden. Eine paar kleine Unterschrift einiger Minister könnten das Leben vieler Menschen grundlegend verbessern, wenn sich damit global die Lebensmittelpreise wieder stabilisieren. Damit diese aber ihren Stift aus der Tasche holen bedarf es vieler tausend kleiner Unterschrift der Bürger, die ihr Anliegen an die Politik herantragen.

Lasst und handeln. Kampagne: Spekulation

Braunschweig, deine Straßenkunst (2)

Schau mal an, neben der Sporttag-Reihe die zweite Serie, die einen zweiten Post bekommt. Jippie!

Heute gibt es ein paar Einzelwerke, die zwar alle auf der selben Strecke lagen aber thematisch nicht miteinander in Beziehung stehen. Beginnen wir also mit diesem kleinen, putzigen Wesen:



Niedlich, oder?

Weiter geht es mit einer kleinen, lokalen Besonderheit: Als "Flachstadt" ohne nennenswerte Erhebungen eignet sich Braunschweig wunderbar zum Radfahren -- auch wenn viele Einwohner dies noch nicht verinnerlicht zu haben scheinen und viel mit dem Auto unterwegs sind. Leider. Dennoch sieht man hin und wieder Radfahrer. Häufig Studierende, die dann zumeist in Eile sind, weil die Vorlesung schon angefangen hat. Diese beiden würden jedoch wohl nie ankommen.



Und komm mir keiner wegen "Schweinkram"! Die Dame hat doch deutlich ersichtlich etwas an ;)

Ich hab im ersten Post geschrieben, dass ich weniger auf Tags sondern eher auf Bilder stehe. Diese müssen dabei nicht immer künstlerisch wertvoll oder handwerklich geschickt ausgeführt sein. Die Idee ist in meinen Augen das Entscheidende. Und damit kann diese Wand vollkommen punkten.





Bin mal gespannt ob jemand dem Aufruf zur Gestaltung folgen wird.

Ich hoffe, die kurze Bilderstrecke hat wieder gefallen. Und wenn nicht, dann hoffe ich mit einem Herzen zu versöhnen.


Sportzahlen am Mittwoch

Es musste ja mal so kommen, das Ergebnis bleibt hinter den Erwartungen zurück. Noch nicht dramatisch, aber leider offensichtlich. Kleinlaut gibt es hier also die aktuellen Zahlen:

Mi, 16.05.: 23,54 km
Do, 17.05.: 0 km (Hamburg)
Fr, 18.05.: 0 km (Hamburg)
Sa, 19.05.: 23,2 km
So, 20.05.: 0 km
Mo, 21.05.: 20,55 km
Di, 22.05.: 0 km

Wie gesagt, alles noch kein Weltuntergang und ich sollte zusehen, dass ich dieses miese Ergebnis nicht wiederhole, dann wird schon alles gut werden.

Also, bis nächsten Mittwoch!

Dienstag, 22. Mai 2012

Rohre in freier Wildbahn

Eigentlich wollte ich mich ordentlich über Nobby Röttgen aufregen. Eigentlich. Denn andererseits habe ich darauf im Moment wirklich keine Lust. Vielleicht morgen. Oder Übermorgen. Oder gar nicht mehr... Mir steht mehr der Sinn nach etwas erfreulicherem.

Statt Ex-Umweltminister-Leberwurst gibt es also wieder Bilder. Heute im Programm: Scheue Industrierohre in freier Wildbahn, die sich in bemerkenswerter Eleganz ihren Weg durch die feindliche und unfreundliche Natur bahnen.

Montag, 21. Mai 2012

Braunschweig, deine Straßenkunst (1)

Ich bin zurück aus Hamburg und habe einen ganzen Koffern mit Ideen dabei, über die es sich noch zu berichten oder zu schreiben lohnen würde. Doch leider fehlt mir wie so oft die Zeit dies alles aufzuarbeiten, durchzudenken, zu formulieren und dann hochzuladen. Eine Idee reift aber schon länger in mir und ich werde sie jetzt einfach mal umsetzten. So.

Die Sache ist recht einfach: Ich mag Graffitis und Wandzeichnungen. Zumindest die schönen, die nicht nur aus ein paar (immer wieder gleich) stilisierten Buchstaben bestehen. In jeder Stadt lassen sich welche finden -- auch in klein Braunschweig -- weswegen ich noch versuche einiges zusammenzutragen bevor mich die Winde woanders hinwehen sollten.

Den Anfang macht ein Stromkasten, der in der Franz-List-Straße bewundert werden kann.




More to come soon...

Mittwoch, 16. Mai 2012

Ich sag wieder: Hamburg again!

Da meine Freundin am Freitag keinen Brückentag hat setze ich meinen dicken Popo mal wieder in Richtung Hamburg in Bewegung, um dort mit ihr und einer handvoll Freunden den Vatertag zu begehen. Wahrscheinlich werde ich bis Samstag nicht auf die Veränderungen im Blog reagieren können: Die Blogger App saugt mein Handy noch immer leer wie ein durstiger Vampir die dralle Blondine in den B-Movies und einen internetfähigen Rechner habe ich in der Hafenstadt nicht bzw. nur sehr, sehr eingeschränkt zur Verfügung. Ergo: Zumindest auf dem Blog wird erneut Funkstille herrschen bis ich wieder in heimische Gefilde bin.

Damit euch nicht ganz so langweilig wird gibt es noch ein Bild eines super gepflegten Mantas:


Das sollte doch jedem Autofan das Herz höher schlagen lassen, oder?

So long and have fun! ;)

Zensur, Kartell, eBooks und angebissene Früchte

Apple macht sich in meinen Augen schon seit längerer Zeit der Zensur schuldig, indem sie durch ihre de facto Monopolstellung auf die Inhalte Einfluss nehmen, die über iTunes vertrieben werden. Aus den unzähligen Beispielen sei an dieser Stelle nur kurz an "Bild", "Stern" und "Focus" erinnert. Auf den ersten Blick mag dies nicht gravierend erscheinen geht es doch nur darum die ohnehin in Amiland verpönte "Frontal Nudity" zu unterbinden. Aber es geht um mehr und alleine die Dreistigkeit, dass sich der Vertriebskanal herausnimmt den Medien vorzuschreiben welche Inhalte sie zu bringen haben, ist kaum noch zu überbieten. Mensch muss lediglich den Gedanken zu Ende denken und wird erkennen, dass derartiges Gebären das Ende der Pressefreiheit wie wir sie kennen herbeiführen könnte. Was wäre beispielsweise wenn Apple verbieten würde positiv über nette Muslime zu berichten und Medien nur noch das Bild des bösen, terroristischen Islamisten zeichnen dürfen, wenn sie ihre Zeitung weiterhin in iTunes sehen wollen? Was mit nackten Mädchen anfängt kann sich leicht zur ideologischen Steuerung ausweiten! Und das sagt ich jetzt ohne die Bild in Schutz nehmen zu wollen...

Allerdings scheinen Kaufentscheidungen diesen Umstand allein nicht ändern zu können: Die Vormachtstellung Apples strahlt auch auf Android-Geräte: Der E-Kiosk-Betreiber Zinio, der anscheinend beide Handybetriebssysteme beliefert, verlangte ebenfalls die Zensur des schon erwähnten Focus-Titelbilds aus Angst für vor möglichen Beschwerden durch Apple. Dieser vorauseilende Gehorsam brachte also auch die Android-Nutzer in den "Genuss" der zensierten Ausgabe.

Den Gedanken, dass es ja nicht so schlimm werden wird, kann man getrost als naiv bezeichnen: Apple ist ein marktwirtschaftlich orientiertes Unternehmen, dass keine Skrupel hat seine Kunden über den Tisch zu ziehen. Ein ganz aktuelles Beispiel ist derzeit die Klage gegen Apple und einigen US-Verlagen wegen illegaler Kartellbildung im eBook-Bereich, durch das die Nutzer geschätzte 100 Millionen US-Dollar zuviel für die eBooks bezahlt haben (oder mit anderen Worten: Um die sie betrogen wurden). Ein Kartell dieser Art ist in dem Land der unbegrenzten Handelsfreiheit absolut verpönt, wird bestraft und das Urteil hat dennoch kaum folgen -- zumindest nicht für den verurteilten Konzern. Für die Nutzer könnten aber sinkende eBook-Preise rausspringen.

Ich bin auf das Urteil gespannt und hoffe auf eine Signalwirkung auch für Europa. In unseren Gefilden hat der eBook-Markt in meinen Augen vor allem zwei Probleme:

1. Digital Rights Managment (DRM). In allen Ausführungen und in allen Produkten ein echter pain in the ass.

2. Die viel zu hohen Preise für eBooks. Die meisten Menschen sind nicht bereit für ein digitales Erzeugnis ebenso viel Geld auszugeben wie für ein gedrucktes Buch (zurecht, meiner Meinung nach). Und die Einsparungen, die derzeit mit dem eBooks (wenn überhaupt!) möglich sind, rechtfertigen noch nicht den recht hohen Anschaffungspreise für die Lesegeräte. Eine breite Preissenkungen könnte den Markt befeuern.

Immer wieder Mittwochs...

Eine weitere Woche ist vergangen -- und hier sind meine aktuellen Sportergebnisse:

Mi, 9. Mai 2012: 21,81 km
Do, 10. Mai 2012: 22,02 km
Fr, 11. Mai 2012: 23,4 km
Sa, 12. Mai 2012: 0 km (Hamburg)
So, 13. Mai 2012: 0 km (Hamburg)
Mo, 14. Mai 2012: 0 km (Hamburg)
Di, 15. Mai 2012: 20 km (*)

Daraus resultiert eine Gesamtwochenstrecke von 87,23 Kilometer. Im Monat summiert sich also meine gefahrene Strecke schon auf anschauliche 189,97 Kilometer auf.

Laut Google Maps wohnt meine Freundin derzeit 211 Kilometer von mir entfernt (zumindest, wenn mensch die A7 nimmt), es fehlen also nur noch etwas über 20 Kilometer und ich habe die Strecke mir erradelt. Spätestens dann sollte ich mir überlegen in welche Richtung ich meine imaginierte Reise fortsetze. Vielleicht Berlin und dem Chackpoint Charlie wieder einen Besuch abstatten?

* Irgendwie hat die Anzeige gestern gesponnen und meine Strecke nicht aufgezeichnet. Und weil Perry Rhodaen während des Fahrens auf dem Display lag hab ich es nicht bemerkt. Da ich aber etwas über eine Stunde unterwegs war (ich hab mir die Abfahrtzeit gemerkt) habe ich pauschale 20 Kilometer eingetragen, weil ich die mindestens in der Zeit geschafft habe.

Dienstag, 15. Mai 2012

DIAabend: Hamburg Harfengeburtstag

Um das Wochenende in einem Satz auszudrücken: Hamburg ist anstregend. Nicht zwangsläufig wegen der vielen Menschen, die da wohnen, oder der ständig pulsierenden Vergnügungsmeilen oder dem übervollem Hafengeburtstag oder den unzählbaren Sehenswürdigkeiten ... i could go on ...

Nein, was mich wirklich erledigte und auch der Grund war, weswegen ich gestern einfach nur in mein eigenes Bett zusammenbrach, waren die Nächte. Irgendwie schlief ich nicht gut und in Folge dessen recht wenig. Der Schlafmangel summierte sich auf und entlud sich schlagartig, als ich meines eigenen Bettes ansichtig wurde.

Aber genug gejammert. Kommen wir zu den Einblicken des Wochenendes.


Die folgenden Fotos sind in am 12. und 13. Mai 2012 entstanden, wobei ich bei ihrer folgenden Anordnung die zeitliche Reihenfolge außer acht lasse.

Freitag, 11. Mai 2012

Funkstilles Wochenende

Ich muss meine Sachen packen. Es geht nach Hamburg, die Liebste besuchen und zusammen mit Freunden den Hafengeburtstag erleben! Die Sachen zum einpacken sind ausgewählt, der Akku der Kamera geladen und die Speicherkarte leer -- ich werde auf jeden Fall ein paar Fotos mitbringen, damit dieses Blog nicht vollkommen zur Bleiwüste verkommt. Versprochen.

Und damit ich nicht zu sehr vermisst werde, hier noch ein paar Ohrwürmer, mit denen ich eh schon alle Leute nerve und die euch garantiert das Wochenende nicht mehr aus dem Ohr gehen werden.

Altes und Neues im Musikbiz...

Es gibt Posts, die drängen sich förmlich auf geschrieben zu werden. Dies ist so einer.

Heute morgen überraschte mich heise mit einer Meldung, die mich kurz zum Nachdenken brachte: MP3tunes ist pleite und gibt dem Musik-Major EMI die Schuld dafür, so die Synopse der Meldung. Gut, ich kenne und nutze MP3tunes nicht, aber ich las den Artikel dann doch durch. Offensichtlich ist/war es ein Dienst zum Streamen von Musik via Internet, wofür digitale Kopien der Werke natürlich von den Nutzern bzw. den Anbietern, die mit MP3tunes zusammenarbeiten, in die Cloud des Dienstes geladen werden mussten. Was heute bekannt anmutet -- man denke nur an Amazon Cloud Drive -- schien erstmalig von MP3tunes verwirklicht. Für die digitale Kopien wollte EMI von MP3tunes Geld haben (obwohl die Nutzer diese schon bezahlt hatten) und der Major verklagte das Internet-Start-Up. Den Prozess hat der Streaming Dienst zwar gewonnen (sehr zur Freude von Amazon, Google und anderen Anbietern eines ähnlichen Services), aber jetzt ist der Laden wegen der hohen Kosten zahlungsunfähig. Soviel zum Inhalt der eigentlichen Nachricht von Heise.

Nun vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht die Majors jammert hört, wie sehr sie das böse, böse Internet um ihre Einnahmen bringt und das man doch bitte Nutzer endlich wegsperren soll, damit die armen Firmen auch von ihrer Arbeit leben können -- von den Sorgen der Künstler reden die Majors ja nie! Anyway, bemerkenswert fand ich folgenden Satz im Heiseartikel:
"EMI weiß, dass es für Startups schwierig ist, lange, teure juristische Kämpfe auszufechten", schreibt Robertson [der Gründer von MP3tunes - Anmerkung von mir]. "Ihre Hoffnung ist, dass ein Startup das nicht finanzieren kann und sie automatisch gewinnen."

 Also, wenn Majors und allen voran EMI soviel Geld übrig haben anderen Menschen ihre Lebensgrundlage zu entziehen, weil sie junge Firmen in einen teuren Rechtsstreit verwickeln anstatt durch ein besseres Angebot beim Kunden zu landen, dann bekommen die Majors noch immer zu viel Geld! Darüber ist der Fall ein weiteres Beispiel dafür, dass wir dringend eine Reform des Verwertungs- und Urheberrechts brauchen -- auch, damit die Künstler wieder von ihrer Arbeit leben können und nicht nur die Plattenbosse.

Und wie das Schicksal es so will erreicht mich via Google+ eine erfreuliche Nachricht von der Electronic Frontier Foundation, einer meiner liebsten Bürgerrechtsorganisationen: Es gibt jetzt das Indie Allstar Bundle, welches 10 Musikalben zu einem Bundle zusammenschnürt, die im MP3-Format in 320 kbps vorliegen und für die Interessenten soviel ausgeben, wie sie wollen. Zahlt mensch mehr als der Durchschnitt (derzeit bei knapp unter 8 US-Dollar) gibt es noch 5 EPs dazu soviel alle Alben zusätzlich im FLAC-Format zum Download. Gezahlt wird per Paypal. Das Angebot gibt es allerdings nur noch eine gute Woche zu kaufen!

Die stilistische Bandbreite der Alben ist groß und ich werde mich da noch durcharbeiten müssen, bevor ich näheres dazu schreiben kann. Zu jedem Album gibt es einen Probesong zum vorhören, so dass niemand die Katze im Sack kaufen muss. Mich haben derzeit vor allem die Rocker von Cosmonaut Day beeindruckt, die auch gerade beim Schreiben dieses Textes im Hintergrund laufen -- und wohl auch einen weiten Teil meiner Masterarbeit begleiten werden, da der komplexe Rock ohne Text auskommt und die Nerven beim Arbeiten gut beruhigt.

Das Angebot ist nicht nur großes Kino sondern erinnert auch nicht von ungefähr an das Humble Bundle, die ähnliches für Computerspiele machen: Sogar die Aufteilung des Geldes kann man wie beim Humble Bundle selbst bestimmen: Wieviel sollen die Künstler bekommen, wieviel soll als Spende an die EFF gehen, was bekommen die Bundlermacher für die Bereitstellung der Website und des Traffics.

Bundles scheinen sich langsam als ein neuer Vertriebsweg zu etablieren nachdem die Independent Games damit gute Erfahrungen gemacht zu haben scheinen. Denn wie eine kurze Googlesuche verrät ist das Humble Bundle nicht das einzige seiner Art -- aber das einzige, welches auf vollständige Plattformunabhänigkeit achtet, was für GNU/Linux-Nutzer wie mich von immenser Bedeutung ist. Bin mal gespannt ob sich dieses Modell hält und als zukunftstauglich etabliert. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall, da ich glaube, dass sowohl Konsumenten als auch Werkschaffende mit diesem Vertrieb mehr erreichen können als mit dem antiquierten Modell des Major-Vertriebes.

Ich hoffe, dass mit dieser Aktion genug Geld zusammenkommt um eine Fortführung zu erwägen. Und ich warte noch auf ein Bücherbundle ;)

Mittwoch, 9. Mai 2012

Argument des Tages (1)

Adobe, bekanntermaßen die Firma hinter Photoshop, hat heute -- wahrscheinlich unfreiwillig -- das beste Argument für Freie Software gebracht. Das Update ihrer Creative Suite, welches nach eigenen Aussagen gravierende Sicherheitsmängel schließt, ist ausschließlich als kostenpflichtiges Update erhältlich!

Versuchen wir dies mal mit einer Analogie auch Menschen zu erklären, die sich wenig mit Software, Recht und Internet beschäftigen. Erinnert sich noch jemand an Toyota und die Probleme, die sie in Amerika wegen verkeilten Gaspedalen hatten? Als diese Mängel öffentlich bekannt wurden verlor Toyota massiv an Ansehen.

So wie die Bremsen in den Toyotas defekt waren ist Adobes Software fehlerhaft: Die Sicherheitslücken erlauben Malware ungehindert das System zu kontaminieren, was erheblichen Schaden nach sich ziehen kann. Toyota musste damals Ersatz leisten, da ihr Produkt die versprochene Sicherheit nicht einhielt. Adobe sagt jetzt seinen (zahlenden!) Kunden: Bezahlt, wenn ihr wollt das unsere Fehler behoben werden und unsere Software euer System nicht länger gefährdet. Und da Bugs, Sicherheitslücken und Programmierfehler nicht auf Bäumen wachsen kann man auch davon ausgehen, dass die Fehler schon bei Auslieferung vorlagen.

Eigentlich schade, dass Toyota damals nicht genauso dreist war. Den Streit hätte ich mir gerne angesehen. Zu gerne hätte ich auch folgenden Satz gehört: "Schön, dass Sie mit Toyota fahren. Wenn Sie auch lebend ans Ziel kommen möchten, dann kaufen Sie bitte jetzt unser neustes Modell. Jetzt auch mit funktionierendem Gaspedal."

Merke: Mit Freier Software wäre das nicht passiert -- und die Fehler wären sicherlich schon viel früher gefunden und behoben wurden.

Mittwoch wird Sporttag!

Der Mensch ist ein Faultier und wird von einem inneren Schweinehund gequält, der mich faul und fett und träge werden lässt. Aber damit ist es jetzt vorbei! Ich habe den Mittwoch zu meinem Sporttag auserkoren!

Fail: Die CSU und "steinzeitliches Religionsverständnis"

Ich müsste es besser wissen, aber ich habe es wieder getan: Es ist nicht ratsam die Nachrichten zu verfolgen, wenn mensch am frühstücken ist. Beim Lesen der Süddeutschen Online hätte ich mich beinahe an meinem (krümligen) Dinkelbrot verschluckt. Hans-Peter Uhl (CSU) meinte in der aktuellen Salafisten-Debatte allen Ernstes, "Deutschland müsse sich "mit allen Mitteln gegen den Import eines steinzeitlichen Religionsverständnisses wehren"." (Zitat: Süddeutsche Online).

Okay, dann fangen wir doch mal mit den Katholiken an und mit ihrem Kondomverbot in Afrika, ihrer Stellung zur Abtreibung, ihrer Meinung zur Scheidung, ihrer Einstellungen zu Kindesmissbrauch ... die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Modern ist was anderes.

Wer im Glaushaus sitzt sollte nicht auch noch auf den Haufen Scheiße scheißen. Es könnte jemand beobachten.

Dienstag, 8. Mai 2012

Hilfestellung für angehende Freischwimmer

Wer -- wie ich -- neu auf Google Plus ist und aus dem deutschsprachigen Raum kommt, der oder die sollte mal einen Blick auf das Buch "Plus Eins. Das Google+ für Jedermann" riskieren (auch wenn es nicht gegendert ist, aber das ist eine andere Sache, die ich an anderer Stelle thematisieren werde und möchte). Das Buch ist von Philipp Steuer geschrieben, ist gestern veröffentlicht wurden, liegt als kostenfreies PDF vor und ist mit 80 Seiten auch nicht sonderlich lang.

Was mir aber sofort auffällt: Lustiger Weise wird nichts zur Lizenzierung des Buches gesagt; es ist lediglich bekannt, dass es kostenlos als Download verfügbar ist. Um eine Software-Analogie zu bedienen: Das Buch scheint copyrightgeschützte Freeware zu sein, keine Freie Software im Sinne der GPL- oder einer BSD-Lizenz.

Wenn es gut ist -- oder wenn es besonders schlecht sein sollte *evilgrin* -- dann schreibe ich demnächst eine Rezension dazu.

Montag, 7. Mai 2012

Prokrastinieren (1)

Prokrastination. Was wie ein unanständiges Fremdwort für sexuellen Verkehr klingt bedeutet nichts anderes als "aufschieben, vertagen". Wer prokrastiniert schiebt eine wichtige, aber langwierige Aufgabe auf die lange Bank und wendet sich statt dessen einer kurzweiligen, schneller erfolgversprechenden Tätigkeit zu.

Prokrastination ist keine neue "Trendsportart":  es haben sich vielleicht die Ausdrucksformen geändert, nicht aber die Tätigkeit an sich. Beispiel gefällig? Ungezählte Generationen von Studierenden berichten seit Äonen, dass ihre Wohnungen nie sauberer waren als zur Zeit ihrer Abschlussarbeiten: Wird wichtiger Arbeit aus dem Weg gegangen werden plötzlich auch unliebsame Aufgaben attraktiv.

Nun, die Zeiten haben sich geändert und Aufräumen steht wohl nicht mehr ganz oben auf der Liste der liebsten Prokrastinationstätigkeiten. Ich wage mal die Prognose, dass die allgegenwärtigen Social Medias den ersten Platz einnehmen, dicht gefolgt von Flash-Spielchen.

Und genau so eins möchte ich euch heute empfehlen falls auch ihr eine Aufgaben bearbeiten müsst, die auch morgen (noch) erledigt werden könnte/sollte/müsste. Das Spiel heißt Burrito Bison Revange, stammt von A10 Games und ist jetzt (leider) auch mit Langzeitmotivation, da es einige Tage dauern kann, bis man seinen Stier vollkommen ausgebaut hat -- zumindest solange man den inneren Schweinehund kontrollieren kann und nur ein, zwei Sprünge pro Pause unternimmt.

Das Spiel ist so simple wie blöd: Nachdem Burrito Bison im ersten Teil dem Candyland entkam stellte dieser fest, dass er seine Brieftasche verloren hat. Also steigt er zurück in den Ring, lässt sich erneut abfeuern und zermatscht mehr und mehr Gummibärchen für Geld. Mit diesem steten Einkommen kauft er sich bessere Ausrüstung, die ihm eine längere Reisezeit ermöglichen, die benötigt wird, mehr Bärchis zu zerquetschen und mehr Geld einzunehmen. Aber im Endeffekt geht es nur darum, die beste Ausrüstung zu besitzen und den weitesten Sprung zu schaffen. Simpel, aber effektiv und spaßig.

Hier noch ein kleines Video, dass mehr sagt als tausend Worte:



Der Dank für's Finden dieses kurzweiligen Spielchens geht übrigens an meine Liebste.

Happy Gaming!

Samstag, 5. Mai 2012

Keine Bild in meinen Briefkasten!

Das BILD-Blättchen (ich möchte dieses Druckerzeugnis auf keinen Fall "Zeitung" nennen!) feiert demnächst den 60. Geburtstag. Diesen will der Springer-Verlag so richtig feiern. Und weil die Springer-Leute uns so ganz dolle lieb haben, sollen wir am 23.6.2012 alle ein Gratis-BILD-Blättchen in den Briefkasten bekommen. Kein Wunder, dass die Anzeigenpreise für diese spezielle Ausgabe exorbitant sind und die Werbeeinnahme den Verkaufsverlust sicherlich überkompensieren werden -- für Springer natürlich, nicht jedoch für den kleinen Kiosk an der Ecke, der an diesem Tage kein einziges BILD-Blättchen verhökern wird.

Aber nicht mit Kommander! Die netten Menschen von Compact haben eine Aktion gestartet (hier die 5-Minuten-Info), mit der man schon im Vorfeld der Zustellung widersprechen kann. Bisher haben über 200.000 Menschen sich gegen die Zustellung der BILD am 23.6. gewährt -- aber da geht doch noch was, oder?

Also, macht mit, zeigt Springer die Zähne und bleibt BILD-frei, den BILD bildet keine Meinung sondern Vorurteile!

Buchtipp: Volker Grassmuck - Freie Software

Heute gibt es einen Buchtipp von mir: Volker Grassmucks "Freie Software. Zwischen Privat- und Gemeineigentum". Die Version, die ich hier vorstellen möchte, stammt aus dem Jahr 2004, liegt in der 2. überarbeiteten Auflage vor und lässt sich als Lizenzausgabe bei der Bundeszentrale für politische Bildung bestellen. Gleichwohl lässt sich das Buch unter einer Creative Commons Lizenz (cc by-sa 2.0 - vollständiger Lizenztext ist über den Link einsehbar) als PDF-Datei downloaden. Aber genug zum Distributionsweg, kommen wir (grob) zum Inhalt.



Wirklich spannend an dem Buch ist der Aufbau, denn obwohl es den Titel "Freie Software" trägt wird dieses Versprechen erst ab Mitte des Buches eingelöst. Vorher -- und in diesem Punkt ist es wirklich einzigartig -- beschreibt es ausführlich die rechtlichen Umstände von Urheberrecht, Lizenzverträgen, Rechteverwaltung sowie digitaler Allmende (ähnlich der public domain in den USA). Die Abschnitte sind wirklich sehr geeignet um sich einen ersten Überblick über die Hintergründe der meisten Diskussionen über Urheberrecht und Urheberrechtsverletzungen zu verschaffen. Damit sind sie jedem und jeder wärmstes ans Herz gelegt, der oder die sich in diese Themenkomplexe einarbeiten will.

Auch die Beiträge zum Thema Freie Software sind lesenswert und bieten einen guten Überblick über die Geschichte der Bewegung, die politischen Intentionen, die wichtigsten Akteure und ihre Ziele. Die Lizenz des Buches ist ein weiterer Grund sein es zu Lesen, da es unentgeltlich für alle zur Verfügung steht. Die einzige Währung, die das Buch verlangt, ist das Interesse, welches benötigt wird, es von Anfang bis Ende zu lesen.

Und hier liegt der einzige Kritikpunkt an dem Werk: Besonders zu Beginn merkt man dem Autoren seine soziologisch-akademische Tradition an: Sperrige Sätze und eine Akkumulation von Fremdwörtern trüben den Einstieg ins Werk -- wer diese Hürde aber meistert, wird von dieser Qual bald verschont und mit einem lesbaren und interessanten Werk belohnt, welches die Allgemeinbildung des Lesers oder der Leserin durchaus bereichern kann.

Happy Reading...